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Mythos Partizan


Partisanen im (post-)jugoslawischen Diskurs

Projektdauer: Von 09/2010 bis 08/2012

Das Bild des Partisanen im ehemaligen Jugoslawien und den neu entstandenen Nachfolgestaaten ist eine zentrale Erinnerungsfigur. Das kollektive Bewusstsein und die Erinnerungskultur um diesen „Mythos Partizan“ spiegelt die Ideologien des realsozialistischen Jugoslawien sowie dessen heutigen Nachfolgestaaten wider.  Das Projekt will sich kritisch mit diesem Mythos auseinandersetzen, um so einen Einblick in die (post-)jugoslawische Gesellschaft zu erlangen.

Die Steinerne Blume, Denkmal von Bogdan Bogdanović auf dem Gelände des ehemaligen kroatischen Konzentrationslagers Jasenovac, dem größten KZ auf dem Balkan und dem einzigen nicht von Deutschen geführten Vernichtungslager während des Zweiten Weltkrieges. (Foto: Allegra Schneider)

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[tab title=“Hintergrund“]

In den durch die nationalsozialistisch deutschen Truppen besetzten Ländern in Süd- Osteuropa gab es Widerstand gegen die Besetzung. Besonders stark war der Widerstand in Jugoslawien, welches durch die Besatzung zerschlagen und ausgeteilt wurde. Die sich entwickelnde Widerstandbewegung der Tito-Partisanen gelang es im Laufe des Kriegs immer erfolgreicher gegen die Besatzung zu agieren, und Jugoslawien als einziges Land sich selbst zu befreien. Damit wurde der Widerstand der Partisanen zu einem zentralen Moment der Konstruktion nationaler Einheit im realsozialistischen Jugoslawien. Das Versprechen von „Brüderlichkeit und Einheit“ („bratstvo i jedinstvo“) wurde zu einer historisch Erfahrung bei der Beschreibung der nationalen Koordinaten und Ausgangspunkt des ’neuen‘ Projektes Jugoslawiens. Der moralische und politische Anspruch an die staatliche Macht spiegelte sich darin wieder. Personell schlug sich dies in der Möglichkeit des ökonomischen, politischen und sozialen Aufstiegs ehemaliger Partisanen wieder. Umgekehrt bedeutete dies auch, der Herabsetzung bis Auslöschung der ehemaligen Feinde und Gegner. Ideologisch erlangte der Partisan, die Rolle des vermenschlichten Staatsideals. Eine Rolle, die zur Legitimation des Herrschaftsanspruchs des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens (BdKJ) diente. Das Bild des Partisans ist aufgeladen mit positiven Bezügen und Wünschen. Es lässt Platz für Phantasie und Utopie, verbunden mit dem Ideal von Praxis und Widerständigkeit. Es bedient das Motiv der Jugend und wandelt die realen Gefahren und Schrecken des Krieges in Abenteuer und Heldenmut. Dabei war der Idealtypus des jugoslawischen Partisans keiner, der im nationalistischen oder ethnischen Chauvinismus geteilt war, vielmehr im Denken und Handeln Sozialist und stellt somit das Abbild des idealisierten Gesamt-Jugoslawen als Staatsbürger dar. Ein hybrider Charakter, vorangetrieben durch die Aktualität der Ereignisse, verzaubert im „Brüderlichkeit und Einheit“ („bratstvo i jedinstvo“) des sozialistischen Staatsversprechens. Diese fand sich nicht nur in der politischen Rhetorik wieder, sondern wurde durch kulturelle Erzeugnisse und einen darauf aufbauenden Alltag bis zum Tode Titos und den einsetzenden gewaltsamen Verfall Jugoslawiens tradiert. Nach den Kriegen der 90ziger Jahre, in dem auch der »Mythos Partizan« als Legitimation der kriegerischen Gewalt herangezogen wurde, fand im Prozess der sich neu gründen Staaten, eine Neuausrichtung der kollektiven Erinnerung statt. Ein Verständnis der Gesellschaften der Nachfolgestaaten ist somit nicht ohne die Vergangenheit, als Matrix einer gemeinsam geteilten Vergangenheit zu erfassen. Daran anschließend wollen wir uns der Frage zuwenden, welches Wissen wir aus der Problematik der (post-)jugoslawischen Erinnerungskultur und kollektiven Gedächtnis für Deutschland anwenden können. Was sind Schnittmengen, die die sich nicht an nationalen oder ethnischen Grenzen fest machen lassen? Wo trägt die Konstruktion von kollektiven Erinnerungen zur Ausgrenzung von Anderen bei?[/tab]

[tab title=“Umsetzung“]
Es soll ein interdisziplinärer Prozess der Wissensaneignung eingeschlagen werden, um eine kritische Position zu erarbeiten. Der »Mythos Partizan« dient dabei als Ausgangspunkt, um ein Verständnis für die Thematik der Erinnerungskultur und des kollektiven Gedächtnisses zu entwickeln. Dabei wollen wir nach Verknüpfungen suchen und nach der Möglichkeit des Transfers des erarbeiten Wissens in aktuelle Auseinandersetzungen der Erinnerungskultur. Diskussionen und angeeignetes Wissen sollen veröffentlicht werden, beispielsweise während des Projektes auf der Internetseite und über das BuKo-Info – und wenn möglich in einer abschließenden Publikation. Konkret heißt das:

  • Inhaltliche Vorbereitungsseminare zur theoretischen Auseinandersetzung mit der Geschichte (Post-)Jugoslawiens und der Erarbeitung eines gemeinsamen Verständnisses von Erinnerungen/ Erinnerungskultur und kollektivem Gedächtnis.
  • Exkursion zur historischen und kulturellen Auseinandersetzung in der Region des ehemaligen Jugoslawiens (Zagreb, Ljubljana, Jasenovac, Belgrad, Zrenjanin, Sarajevo, Jablanica, Mostar). Dabei soll es Zeitzeugengespräche geben, sowie Besuche von Gedenkstätten und Diskussionen mit WissenschaftlerInnen und ProtagonistInnen zu der Frage von aktuellen erinnerungspolitischen Diskursen in den verschiedenen Gesellschaften.
  • Reflexion und Auswertung des Erlebten. Wenn möglich soll es dazu eine geeignete Publikation wie beispielsweise audiovisuelle Aufnahmen von ZeitzeugInneninterviews, eine Broschüre oder Buchpublikation geben.

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[tab title=“Ziel“]Ziel des Projektes ist ein kritisches Verständnis über die Erinnerungskultur und dem kollektiven Gedächtnis, zum einen der post-jugoslawischen Gesellschaften anhand der Partisanenbewegung zu erarbeiten, und zum Anderen die Frage zu stellen, inwiefern das Wissen darüber für erinnerungspolitische Auseinandersetzungen in Deutschland verwendbar und übertragbar ist.
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Veranstaltungen

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  • Vorbereitungsseminare
  • Exkursion:
    08/2011 – 09/2011

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Weiterführendes

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Kontakt

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  • Projektverantwortliche:
    Mara P. & Roland Z.

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