Aktuelle Projekte

Gemeinschaftlicher Wohnraum statt kapitalförderndem Alptraum!

Ein Leitfaden und Seminar, um selbstorganisierte und solidarische Wohnprojekte zu realisieren

Hintergrund
Durch zunehmende Gentrifizierung und gierige Großinvestoren wird Wohnraum in Ballungsräumen
immer teurer. Gerade Universitätsstädte sind davon stark betroffen. Sogenannte „Schwarmstädte“
ziehen besonders junge Menschen und Studierende an, welche durch ihre geringen finanziellen
Möglichkeiten in günstige Stadtviertel ziehen und dort die Entstehung und Entwicklung alternativ-
kultureller Szenen fördern. Hierdurch werden diese Wohngegenden aufgewertet und auch für
Besserverdienende als Wohnsitz interessant. Dies zieht wiederum Immobilienmarktspekulanten an,
deren Ziel es ist möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften. Die Mietpreise in den vormals günstigen
Vierteln werden somit für Menschen mit geringerem Einkommen nicht mehr bezahlbar.
Die massive Schieflage im Wohnungssektor wird durch fehlende Sozialwohnungen verschärft.
Sozialwohnungen fallen zunehmend aus der Bindung und werden kaum nachgebaut. Auch wenn
diese problematische Entwicklung des Wohnungsmarktes bekannt ist und das Thema regelmäßig von
der Politik aufgegriffen wird, bleiben wirksame Interventionen aus. Im Gegenteil, Gemeinden haben
im Zuge der Haushaltsbereinigung ihre Wohngesellschaften und sind somit nicht mehr in der Lage
den Mietpreis auf einem sozial verträglichen Niveau zu halten. Stattdessen treiben Firmen und
Großanleger die Mieten in die Höhe.
Dies passiert, obwohl inzwischen immer mehr Haushalten ein Drittel oder mehr ihres Einkommens
allein für die Miete ausgegeben müssen. Zwar ist bekannt, dass dieser Umstand existentielle Problem
für diese Haushalte bereitet, aber politische wirksame Gegenmaßnahmen bleiben aus. Die
Mietpreisbremse z.B. ist völlig unzureichend um den aktuellen Trend etwas entgegenzuwirken.
Hohe Mieten stellen einen Großteil der Bevölkerung vor existentielle Probleme.
Das trifft auch auf viele Studierende zu. Selbst ein WG-Zimmer kostet mittlerweile häufig 450€.
Finanzieren lässt sich dieses nur mit BaföG-Höchstsatz, wo als Wohnungspauschale derzeit 250€
angesetzt sind, einem 450€ Nebenjob und einem sehr sparsamen Lebensstil.
Selbst mit einem Stipendium der HBS kann die Finanzierung des Lebensunterhaltes schwierig
werden. Der Hauptfokus sollte auf dem Studium liegen und nicht darauf, ob oder wie man sein
Obdach finanzieren kann. Wenn kein finanzieller Rückhalt da ist, kann es sein, dass im Studium oder
im ehrenamtlichen Engagement Abstriche gemacht werden müssen, um Geld zu erwirtschaften.
Diese existentielle Angst lastet auf Studierenden und kann zu Überforderung bis hin zu Burnout-
Erkrankungen führen.
Die aktuelle Wohnungspolitik spiegelt eine entsolidarisierte, kapitalistische, gierige Welt wider.
Dagegen muss etwas getan werden! Wir möchten mit dem Projekt „Gemeinschaftlicher Wohnraum
statt individuellem Alptraum!“ Möglichkeiten aufzeigen selbstbestimmten, selbstverwalteten,
solidarisch und demokratisch belebten Wohnraum zu schaffen, welcher gleichzeitig der
Mietpreisentwicklung unmittelbar und langfristig entgegenwirkt und eine gesellschaftliche
Entwicklung mit antikapitalistischen und nachhaltigen Werten fördert.
Was die Möglichkeiten sind und wie sich diese umsetzen lassen, möchten wir euch in einem drei-
tägigen Seminar näherbringen. Außerdem verfassen wir einen Leitfaden, in dem die Inhalte des
Seminars detaillierter ausgeführt sind.

Unser Ziel ist es, dass die Idee alternativer Wohnprojekte noch weiterverbreitet wird und dass sich
vielleicht ein paar Stips zusammenschließen und selbst ein Wohnprojekt gründen.
Langfristig gesehen ist unser Ziel den Wohnungsmarkt nach und nach dem kapitalistischem
renditeorientiertem Spekulationsraum zu entziehen und wieder den Menschen zurückzuführen.
Glücklicherweise gibt es schon einige Gruppen, die das gleiche Ziel verfolgen.
Umsetzung/Was haben wir geplant
Geplant ist ein drei tägiges Seminar welches vom 26.-28.6.2020 in Heidelberg statt. Inhalt
wird ein grober Überblick über das Gründen alternativer Wohnformen, verschiedener
Organisationsformen für ein Wohnprojekt, Finanzplangestaltung und Gruppenprozesse.
Außerdem werden wir unsere Erkenntnisse in einem Leitfaden zusammenfassen und diesen
online allen zur Verfügung stellen. [Wir denke auch darüber nach, es als Open-Source-
Dokument zur Verfügung zu stellen, damit es mit der Zeit noch weiter…]
Unser Ziel ist es damit einerseits die Idee der alternativen Wohnformen unter den HBS-
Stipendiat*Innen zu verbreiten und sie für den prekären Wohnungsmarkt zu sensibilisieren.
Andererseits sollen sie Möglichkeiten aufgezeigt bekommen, wie man durch Solidarität und
Engagement etwas effektiv gegen die Kapitalisierung des Wohnungsmarkts tun kann.
Mit dem Leitfaden wollen wir auch langfristig die Idee alternativer Wohnformen
unterstützen und hoffen, dass sich durch unsere Bemühungen noch mehr Menschen die
Chance ergreifen und Wohnprojekte gründen.

Seminar


26.-28.06.2020 – drei-tägiges Seminar in Heidelberg
Anmeldung über ProWo@posteo.de
Anmeldeschluss (wird noch bekanntgegeben)
Wir freuen uns auf euch!
Julia Haun, Felix Dehner, Oliver Lippert