Barrieren erforschen

Problematisierung kultureller Barrieren in der Psychotherapie am Beispiel der türkischen Community in Deutschland


Projektdauer: Von 08/2013 bis 08/2014

com∙mu∙ni∙ty psy∙chol∙o∙gy [Beschäftigt sich mit dem Erleben und Verhalten von Individuen in ihren räumlichen und sozial definierten Kontexten – ihren Communities].

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[tab title=“Hintergrund“]

Das Projekt entstammt dem Interesse an Community Psychology und verschiedenen Ebenen kultureller Konflikte in Deutschland. Besonders im Ruhrgebiet, als Ballungszentrum verschiedener ethnischer/kultureller Gruppen, bedarf es ein hohes Maß an Feingefühl, Offenheit und Interesse aneinander. Differenz-Diskurse, vor allem im Hinblick auf Muslime, Exotismus und „Othering“ sollen kritisch hinterfragt werden. Das Thema der Psychotherapie, bzw. Community Psychology in der türkischen Community ist hierbei besonders beispielhaft. Es gibt einen hohen Bedarf an Therapien, jedoch stehen einer erfolgreichen Ausübung kulturelle Differenzen, häufig bedingt durch Unwissenheit auf allen Seiten, im Wege. Mit unserem Projekt möchten wir zu mehr Verständnis und Aufklärung beitragen.

Hintergrund ist der, dass „Migranten“ häufiger Therapien abbrechen oder den/die Therapeut_in wechseln als „Deutsche“. Hierbei zeichnen sich zwei Gründe ab: Einerseits existiere eine sprachliche Barriere, bei der auf Seiten der Therapeut_innen, aber auch auf Seiten der Patient_innen die Kommunikation und das Verständnis durch sprachliche Unklarheiten erschwert ist. Andererseits existiere eine kulturelle Barriere, bei der auf beiden Seiten von einem geteilten Wissensschatz insbesondere an Normen und Werten im Hinblick auf das Denken, Fühlen und Verhalten von Personen ausgegangen wird, die jedoch für die Gegenseite gar nicht ersichtlich sind. Beide Punkte können sich ergänzen und können für den Therapiemisserfolg verantwortlich gemacht werden.

Im Forschungsprojekt wird es primär um die Frage der kulturellen Barriere gehen, denn es soll hypothetisch davon ausgegangen werden, dass „Türkische Migrant_innen“ im Alter zwischen ca. 18 und 35 Jahren soweit in die „Deutsche“ Gesellschaft inkludiert sind, dass sie problemlos ihre Sachlagen und Emotionen auf deutsch kommunizieren können. Insofern soll sich die Arbeit um Verständnisdefizite aufgrund unterschiedlicher kultureller Sozialisation von Therapeut_in und Patient_in drehen. Kultur wird hierbei im Sinne Boeschs als Handlungsfeld betrachtet, mit von Menschen geschaffenen Inhalten und genutzten Objekten, wobei die Kultur Handlungsmöglichkeiten und Handlungsbedingungen bietet.

Im Projekt soll es um kulturelle Barrieren zur Psychotherapie gehen. Dabei wird nicht der Therapieverlauf an sich untersucht, sondern die Hemmnisse und Vorurteile gegenüber westlicher Psychotherapie eruiert. Es soll aufgezeigt werden, ob und in welcher Form die „Türkische Community in Deutschland“ Alternative Heilverfahren praktiziert. Im Kontext gesellschaftspolitischer Relevanz sollen Vorurteile aufgezeigt und Aufklärung betrieben werden. Es soll Verständnis und Offenheit geschaffen werden, psychisch kranken Menschen einen ihren Bedürfnissen gerechte Therapie zu vermitteln und den Therapeuten den Zugang zu Patienten zu erleichtern.

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[tab title=“Umsetzung“]

  1. Es wird ein Wochenendseminar stattfinden. Dieses richtet sich an die Projektteilnehmer sowie an Interessierte Stipis der Kulturwissenschaft und des Clusters Psychologie.Referenten sollen Wissenschaftler, Therapeuten mit eigener Praxis sowie Therapeuten aus Beratungsstellen sein, also max. vier Vorträge. Am Ende des Seminars sollen in einer kurzen Diskussionsrunde unter allen Teilnehmern die Ergebnisse festgehalten werden, mit denen weitergearbeitet werden kann.
  2. Es wird eine anschließende empirische Arbeit geben. Wir haben uns für die Gruppendiskussion (ca. 5 – 7 Personen) entschieden, da die Gruppendynamik für das Thema von entscheidender Bedeutung ist. Angedacht sind als Diskussionsteilnehmer_innen türkische Patinent_innen im Alter zwischen ca. 18 und 35 Jahren. Wir haben diesen Personenkreis als Diskussionsteilnehmer ausgewählt, da sie die Möglichkeit bieten, herauszufinden, welche Probleme und Barrieren sie erkennen und welche therapeutischen Schritte sie daher präferieren. Andere Gruppen, wie islamische Geistliche, sind ebenfalls angedacht und werden je nach genauer Leitfrage und Kapazität ebenfalls hinzugezogen. Die Gruppendiskussion soll auf Video aufgezeichnet und von den Teilnehmern des Stipendiatischen Projektes diskutiert und ausgewertet werden.
  3. Die Ergebnisse werden in einem Reader zusammengefasst werden. Zusätzlich werden die Ergebnisse in Vorträgen festgehalten, die sich an interessierte Gruppen richtet, z.B. Therapeutenverbände, Universitäten. Integrationsverbände, Clustergruppen der Stiftung und Universitäten.

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[tab title=“Ziel“]

Es sollen die Probleme hinter den oben genannten Barrieren aufgedeckt und untersucht werden. Hierbei geht es um die Fragen:

  • Was sind die kulturellen Normen und Werte, die dafür sorgen, dass Therapeuten nicht ernst genommen werden und die Therapie so stark verneint wird/ in der „türkischen Gesellschaft Deutschlands“ so stark abgelehnt wird?
  • Welche Alternativen Heilungsmethoden werden stattdessen angewandt?
  • Welche Probleme treten auf oder werden verstärkt durch Grenzziehungen zwischen ‚Deutschen‘, ‚türkischen Communities‘ und ähnlichen Begriffen?

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Veranstaltungen

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  • April 2014: Seminar für Hans­ Böckler­ Stipendiat_innen
  • Mai-Juni 2014: Forschungsarbeit
  • August 2014: Reader

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Weiterführendes

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Kontakt

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  • Projektverantwortliche: Fatima C.
  • Finanzverantwortlicher: Carsten S.

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