Medizin im NS


Projektdauer: Von 01/2011 bis 12/2012

Der nationalsozialistische Staat betrieb in einer bis dahin unbekannten Dimension eine rassistische Bevölkerungspolitik, die in der Ermordung von mehreren Millionen Juden und Jüdinnen und der Tötung von Hunderttausenden weiteren als „lebensunwert“ definierten Menschen gipfelte. Sowohl im Hinblick auf die Entwicklung als auch Umsetzung dieser Massenmorde hatte die Medizin einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf diese Politik. Das Projekt „Medizin im Nationalsozialismus“ hat sich zum Ziel gesetzt, die Prozesse und Diskurse zu untersuchen, die dazu führten, dass praktische Mediziner und Forscher aktive Rollen bei der Umsetzung der nationalsozialistischen Politik einnahmen. Neben der Darstellung der Veränderungen, denen der Berufsethos „Arzt/Forscher“ vor, während und nach der Zeit des Nationalsozialismus unterlag und unterliegt, soll das Projekt auch ein Bewusstsein für heutige Aspekte menschenverachtender Gesundheitspolitik schaffen.

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[tab title=“Überblick“]

Überblick

„Weiße Kittel mit braunem Kragen“, so titelte die Zeitschrift für Studierende der Medizin Via Medici aus dem Thieme-Verlag in einem Artikel über Ärztinnen und Ärzte im NS-Staat. Der Artikel bezog sich auf eine Befragung an deutschen Universitäten über dieses Kapitel der Medizingeschichte und ergab, dass die Medizinerinnen und Mediziner hier erhebliche Wissenslücken zugeben mussten. Zwar ist das Thema in den Curricula der medizinischen Fakultäten vorgesehen, wird, aber oftmals nur als Wahlfach angeboten. Interessiert an geschichtlichen Zusammenhängen und den gesellschaftlichen Vorbedingungen, die in der völligen Missachtung des Hippokratischen Eids zugunsten von Menschenversuchen, Genozid und optimierter Kriegsführung gipfelten, fand sich im Sommer 2010 eine Gruppe von Stipendiatinnen und Stipendiaten zusammen, um bei der SPK eine Projektskizze zum Thema „Medizin im Nationalsozialismus“ vorzustellen. Das in vier Einzelseminare im Zeitraum von insgesamt zwei Jahren angelegte Projekt wurde bewilligt. Die Mitglieder aus Studiengängen der Natur- und Geisteswissenschaften sowie der Medizin profitieren in den Arbeitsphasen von den vielen verschiedenen Zugängen zum Thema. Dementsprechend vielfältig sind die angefragten Referentinnen und Referenten, sowie die besuchten Orte.

Seminarprogramm:

1. Seminar: „Bedeutung der Medizin im 19. Jahrhundert und Entwicklungen in Wissenschaft und Gesellschaft hin zur „NS-Medizin““ (Juli 2011, Berlin)

2. Seminar: „Opfergruppen und Opferschicksale“ (Dezember 2011, Bernburg/Saale)

3. Seminar: „Reaktionen in Gesellschaft und Justiz nach ‘45 – Biographien, Tatmotive, Kontinuitäten“ (Mai 2012, Nürnberg)

4. Seminar: „Synopsis und Diskussion“ (September 2012, Wien)

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[tab title=“1. Seminar“]

Bedeutung der Medizin im 19. Jahrhundert und Entwicklungen in Wissenschaft und Gesellschaft hin zur „NS-Medizin“

15.-17. Juli 2011 im Medizinhistorischen Museum der Charité.

Beiträge:

  • Allgemeiner Einstieg in die Geschichte der Medizin
  • Einführungsvortrag : Eugenik, Sterilisation und „Euthanasie“ und politische Biologie in Dtl. 1895-1945 (Dr. Sabine Schleiermacher)
  • „Forschungsinsitute in der NS- Zeit“ (Axel Hüntelmann)
  • Ausstellung: „Totgeschwiegen“ mit anschließendem Gespräch in der Bonhoeffer-Nervenklinik
  • „Die Rolle der Pharmazeutischen Industrie in der NS-Gesundheitspolitik“ (Dr. Roswitha Haug)
  • „Das Apothekenwesen in der NS-Gesundheitspolitik“ (Dr. Caroline Schlick)
  • „Zur Rolle der Kassenärztlichen Vereinigungen zwischen 1933 und 1945“ (Dr. Rebecca Schwoch)
  • Besichtigung des ehemaligen KZ Sachsenhausen: Eingangsreferat zur Medizinischen Ausstellung, Versuchen vor Ort und gedenkpolitischen Hintergründen
Das erste Seminar im vergangenen Juli stellte mit einem Besuch im Medizinhistorischen Museum der Charité Berlin eine Einführung in die allgemeine Medizingeschichte dar, um dann durch einen Vortrag von Frau Dr. Schleiermacher (wiss. Mitarbeiterin im Forschungsschwerpunkt Zeitgeschichte der Medizin) die Entwicklung hin zur veränderten Rolle der Medizin in der Sozialpolitik im nationalsozialistischen Deutschland aufzuzeigen, die sich zunehmend für Eugenik und Zwangssterilisationen einsetzte. Sie führte aus, dass eugenische Fragestellungen auch zuvor bereits in breiteren Forschungskreisen diskutiert wurden und die Vorstellung einer „positiven Auslese“ als ein natürlicher, wenn nicht gar zu unterstützender Vorgang in der Entwicklung menschlicher Gesellschaften angesehen wurde. Am Folgetag erklärte auch Axel Hüntelmann (ehem. Mitarbeiter beim Forschungsprogramm der MPG- Präsidentenkommission „Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus“) in seinem Referat über Forschungsinstitute in der NS-Zeit, dass diese sozial-darwinistischen Theorien auch von namhaften Wissenschaftlern als Rechtfertigung für Humanexperimente herangezogen wurden. Über die Vorteile, die die Pharmaindustrie durch die große Zahl an „Versuchspersonen“ und menschlichen Organen erhielt, sprach Dr. Roswitha Haug (Autorin des Buches: Die Auswirkungen der NS-Doktrin auf Homöopathie und Phytotherapie) und ging auch auf die bisher nur zögerliche Aufarbeitung führender pharmazeutischer Unternehmen ein, auf die sie während ihrer Recherche stieß. In weiteren Vorträgen stellten zwei Referentinnen ihr Forschungsgebiet über andere wichtige Akteure der NS- Gesundheitspolitik vor: das Apothekenwesen und die kassenärztlichen Vereinigungen. Am letzten Seminartag in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen erhielten wir eine Führung durch das sogenannte „Krankenrevier“ und dazugehörige Ausstellung zu den Humanexperimenten im Auftrag der Wehrmacht.

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[tab title=“2. Seminar“]

Opfergruppen und Opferschicksale der „NS-Medizin“

9.-11. Dezember 2012

Das Seminar findet vom 9. bis 11. Dezember 2011 bei der Gedenkstätte für Euthanasie-Opfer in Bernburg statt. Wir wollen dort das pädagogische Angebot der Gedenkstätte wahrnehmen und mit Vertreterinnen und Vertretern von Opferverbänden in Kontakt kommen. Interessierte Stips können sich bis 1. November bei der oben angegebenen E-Mail-Adresse anmelden, eigene Beiträge sind ausdrücklich erwünscht. Außerdem möchten wir wieder Stipendiatinnen und Stipendiaten aller Fachrichtungen ansprechen, bei uns mitzuarbeiten, da noch zwei weitere Seminare zum Thema „Reaktionen in Justiz und Gesellschaft nach 1945“ in Nürnberg sowie ein zusammenfassende Abschlussveranstaltung in Wien vorgesehen sind. Wer sich organisatorisch beteiligen möchte und eine projekteigene Webseite erstellen und betreuen kann, würde uns ebenfalls bei einen wichtigen Teil der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen, da wir die Veranstaltungen an den jeweiligen Orten für andere Interessierte, z.B. Angehörige der Universität, öffnen und sie dementsprechend ankündigen möchten.

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[tab title=“Arbeitstreffen“]

Arbeitstreffen in Hamburg, Gedenkstätte Bullenhuser Damm / Die Thilo-Sarrazin-Debatte / Arbeitstreffen in Berlin

Arbeitstreffen in Hamburg

Von Anfang an ist es unser Vorhaben gewesen die Arbeitstreffen nicht nur für die Reflexion und Planung der Seminare zu nutzen, sondern auch um neuen Input zu bekommen und uns selber zum Thema „Medizin im NS“ weiterzubilden. So besuchten wir am Samstag für 3 Stunden die Gedenkstätte Bullenhuser Damm in Hamburg. Ein Mitarbeiter der Gedenkstätte hielt erst einen Einführungsvortrag und dann schauten wir uns die Gedenkstätte an.

Die Gedenkstätte Bullenhuser Damm

Die ehemalige Schule wurde ab 1943-44 als Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme für skandinavische Häftlinge missbraucht, die zur Zwangsarbeit gezwungen wurden.Das woran die Gedenkstätte aber hauptsächlich erinnert sind die Leben von 20 Kindern, die in dem Gebäude ermordet worden sind. Die 20 Kinder stammten aus Italien, Frankreich, den Niederlanden, Jugoslawien, ihre Eltern waren jüdischen Glaubens und wurden in Ausschwitz von ihren Kindern getrennt. Die 20 Kinder, 10 Mädchen und 10 Jungen im Alter von 5-12 Jahren wurden bei ihrer Ankunft im „Konzentrationslader Ausschwitz“ nicht sofort ermordet, wie die meisten anderen Kinder unter14 bzw. kleiner als 146 cm, sondern sie wurden von dem „Lagerarzt“ Mengele für Dr. Kurt Heissmeier auf „Bestellung“ selektiert. Heissmeier leitete die Hohenlychener Lungenanstalt für SS-Offiziere und wollte befördert werden. Die dafür nötige Habilitation wollte er über Tuberkulose schreiben. Am 30.04.1944 wurden die Kinder von Ausschwitz nach Neuengamme verschleppt und wurden dort vor den übrigen Häftlingen versteckt. Bei Ankunft waren alle Kinder den Umständen entsprechend gesund. Heissmeier steckte sie mit TBC-Erregern an, die er auf offene Hautstellen applizierte. Damit wollte er die Erschöpfungstheorie testen. Diese besagt, dass ein Entzündungsherd durch das Setzen eines Zweiten Entzündungsherds geheilt werden könne. Diese Theorie war zwar durch die wissenschaftliche zeitgenössische Literatur bereits widerlegt worden. Dennoch steckte er die Kinder durch das Verabreichen von TBC-Erregern in die Lunge mit Lungentuberkulose an. Vier politische Häftlinge mussten sich um die Kinder kümmern. Die Kinder bekamen „SS-Essen“, da ja Fitness und Vitamine für die Bildung von Abwehrstoffen des Körpers wichtig sind. Die Essensträger brachten das Essen für die Kinder zur Krankenbaracke, welche Sperrgebiet war. Die vier Häftlinge, die sich um die Kinder kümmerten, flüsterten pro Essensübergabe 2-3 Namen der Kinder, sowie Alter und Herkunft den Essensträgern zu. Schnell sprach sich so das Schicksal der Kinder sowie ihre Namen rum. Nach Kriegsende konnte so eine Liste der Namen der Kinder erstellt werden. Die Kinder wurden am Abend des 20.April in die Schule gebracht. Vor dem Transport wurde ihnen erzählt, dass sie auf Transport ins Familienkonzentrationslager Theresienstadt kommen würden. Die SS wollte, dass die Kinder eingeschlafen sind bevor sie aufgehängt wurden. An die Schlinge hing sich ein SS-Mann mit seinem Eigengewicht zusätzlich dran aufgrund des geringen Körpergewichts der Kinder. So sind sie entweder durch Genickbruch oder durch Strangulieren ermordet worden. Da Tod durch Strangulieren 4-7 min dauert, wurde 6 min gewartet. Die vier Pfleger wurden ebenfalls erhängt sowie 24 sowjetische Kriegsgefangene. Einer der Täter, Fromm, wurde später vor Gericht gefragt „How could you do this?“ Dies verstand er als technische und nicht als ethische Frage und erklärte „Wir haben die Kinder aufgehängt wie Bilder an die Wand“.

Nach der Befreiung verhörte Anton Freud (Enkel Sigmund Freuds) die Täter, dabei nutze er die „Überfalltaktik“ und fragte direkt, was sein gegenüber über die Kinder in Neuengamme wisse. Dabei erwischte er einen der Mörder. Dieser erzählte den Briten alles, da er sich durch die Zusammenarbeit erhoffte frei zu kommen. Er erzählte, dass die Kinder in der Schule (am Bullenhuser Damm) aufgehängt wurden und nannte die Namen der anderen Täter. Die Täter wurden 1945-46 zum Tode verurteilt. Die Vollstreckung geschah im Kriegsverbrechergefängnis in Hameln. Heissmeier, der Offizier, der an dem Abend der Ermordung der Kinder das Kommando hatte wurde nicht erwischt. In Magdeburg eröffnete er einige Jahre später eine Praxis. Durch Zufall entdeckte ein Ingenieur aus Braunschweig das Praxisschild mit Heissmeiers Namen darauf. Da er sich an Berichte über Heissmeier im Zusammenhang mit der Ermordung der Kinder erinnerte schrieb er einen Leserbrief an den „Stern“. Dieser schickte ihn an ehemalige Häftlinge in der DDR weiter. Der Verdacht, dass es sich um den gesuchten Heissmeier handelte, bestätigte sich spätestens als man eine Kiste im Garten Heissmeiers fand. In dieser Kiste hatte er die Unterlagen der Experimente an den Kindern aufbewahrt, da er wohl darauf hoffte, dass wieder Zeiten kommen würden, in denen er seine Unterlagen veröffentlichen könnte. Durch diese Aufzeichnungen weiß man heute über die Gräueltaten so genau Bescheid. Heissmeier bekam lebenslänglich und starb in Bautzen an einem Herzinfarkt. Die Unterlagen umfassen neben Fieberkurven der Kinder auch Fotografien ihrer Lymphknoten (in den Lymphdrüsen gibt es einen Abwehstoff gegen TBC, deshalb wurden diese fotografiert). Bei den Fotografien waren auch die Gesichter der Kinder erkennbar. Die Fotos waren nur nummeriert, die Namen waren nicht aufgezeichnet wurden. Nachdem diese Fotos gefunden wurden, wurde eine große Suchaktion nach Angehörigen der Kinder gestartet. Auf einem großen Suchplakat wurden die Fotos der Kinder abgebildet verbunden mit der Frage wer diese Kinder kenne. Angehörige erkannten ihre Kinder wieder, eine Mutter konnte noch zwei Nachbarskinder identifizieren.

Im Gegensatz zu anderen Gedenkstätten ist die Gedenkstätte am Bullenhuser Damm nicht in schwarz-weiß-grau gehalten, sondern in Pastelltönen. 20+4 kleine Koffer stehen in der Mitte des ersten Raumes. Jeder Koffer erzählt die Biografie eines Kindes, soweit sie vorhanden ist bzw. die eines Pflegers der Kinder. Tafeln an den Wänden der Gedenkstätte erzählen die Geschichte, die uns der Mitarbeiter der Gedenkstätte bereits erzählt hat. Im zweiten Raum befinden sich multimediale Dokumente über die Aufarbeitung der Ermordung der Kinder sowie die damit verbundene Suche nach Angehörigen hierzu gehört unter anderem die Reihe im Spiegel zu der Geschichte der Kinder. In den Kellerräumen in denen die Kinder ermordet worden sind, befinden sich Gedenktafeln und Blumengestecke. In einer hintersten dunkeln Ecke werden 20 kleine Bäumchen durch eine Lampe ausgeleuchtet. Eine Tafel erklärt den Grund: Es ist eine jüdische Tradition bei der Geburt eines Kindes ein Bäumchen zu pflanzen, bei der Hochzeit dieses wird ein Ast von dem Baum abgeschnitten. Diese 20 kleinen Bäumchen sollen daran erinnern, dass von diesen Bäumchen der ermordeten Kinder nie ein Ast abgeschnitten wird. Dies ist ein Projekt von Schüler_innen gewesen, die nach dem Besuch der Ausstellung daran mitwirken wollten, dass die Kinder nicht in Vergessenheit geraten. Der Tatort, die Schule wurde 1987 als Schule geschlossen. Vor 5 Jahren wurde die Gedenkstätte an die Gedenkstätte Neuengamme angeschossen wurde, somit ist ihr Bestand gesichert.

Am 20.April, dem Todestag treffen sich die Angehörigen und Freunde und Freundinnen um den Kindern zu gedenken. Ein wichtiger Ort für das Gedenken ist der Rosengarten vor der ehemaligen Schule, da dort auf Tafeln an jedes einzelne Kind individuell gedacht wird und die Kinder somit nicht vergessen sind.

Die Mitarbeiter_innen der Gedenkstätte wünschen sich, dass in der ehemaligen Schule eine internationale Begegnungsstätte errichtet wird.

Öffentliche Veranstaltung: „ Die Thilo-Sarazin-Debatte- über die Popularisierung von Sozialrassismus und biologistischem Denken“

Kai Kaschinski hielt einen Vortrag, der einen Bogen spannen sollte von Eugenik-Debatten des Nationalsozialismus zu der aktuellen Ausprägung eines Art Sozialrassismus. Insgesamt konnten wir darüber 12 Nicht-StipendiatInnen zu der Veranstaltung im GEW-Haus begrüßen.

Arbeitstreffen in Berlin

Anfang März 2012 traf sich ein kleiner Teil der Projektgruppe noch einmal in Berlin, um den Stand der Seminarvorbereitungen für Nürnberg zu erörtern, die Ausstellung „Im Gedenken der Kinder“, die momentan in der Gedenkstätte „Topografie des Terrors“ gezeigt wird, zu besichtigen und an der Konzeption der geplanten Seminarbroschüre zu arbeiten.

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[tab title=“3. Seminar“]

Geplante Schwerpunkte:

  • Motive der TäterInnen (Ärzte, WissenschaftlerInnen)
  • Kontinuitäten nach 1945
  • Strafverfolgung von TäterInnen (Nürnberger Ärzteprozess und spätere Prozesse in BRD und DDR)

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[tab title=“Ziel“]

Das Ziel der Veranstaltung ist die Hintergründe und Verläufe der entwickelten Systematik von Zerstörung und Ausrottung aufzuzeigen. Somit soll das Bewusstsein für die Verbrechen der NS- Medizin gestärkt werden. Der Bezug zur Nachkriegszeit und zu aktuellen Debatten soll vor diesem Hintergrund zu dem Ergebnis führen, dass das Verantwortungsbewusstsein angehender Mediziner_innen und Forscher_innen bezüglich der Menschenrechte gesteigert wird, vor allem in Zeiten, in denen das Leistungsprinzip in Debatten in Gesundheitspolitik an Bedeutung gewinnt.
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Veranstaltungen

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Weiterführendes

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Kontakt

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Mythos Partizan


Partisanen im (post-)jugoslawischen Diskurs

Projektdauer: Von 09/2010 bis 08/2012

Das Bild des Partisanen im ehemaligen Jugoslawien und den neu entstandenen Nachfolgestaaten ist eine zentrale Erinnerungsfigur. Das kollektive Bewusstsein und die Erinnerungskultur um diesen „Mythos Partizan“ spiegelt die Ideologien des realsozialistischen Jugoslawien sowie dessen heutigen Nachfolgestaaten wider.  Das Projekt will sich kritisch mit diesem Mythos auseinandersetzen, um so einen Einblick in die (post-)jugoslawische Gesellschaft zu erlangen.

Die Steinerne Blume, Denkmal von Bogdan Bogdanović auf dem Gelände des ehemaligen kroatischen Konzentrationslagers Jasenovac, dem größten KZ auf dem Balkan und dem einzigen nicht von Deutschen geführten Vernichtungslager während des Zweiten Weltkrieges. (Foto: Allegra Schneider)

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[tab title=“Hintergrund“]

In den durch die nationalsozialistisch deutschen Truppen besetzten Ländern in Süd- Osteuropa gab es Widerstand gegen die Besetzung. Besonders stark war der Widerstand in Jugoslawien, welches durch die Besatzung zerschlagen und ausgeteilt wurde. Die sich entwickelnde Widerstandbewegung der Tito-Partisanen gelang es im Laufe des Kriegs immer erfolgreicher gegen die Besatzung zu agieren, und Jugoslawien als einziges Land sich selbst zu befreien. Damit wurde der Widerstand der Partisanen zu einem zentralen Moment der Konstruktion nationaler Einheit im realsozialistischen Jugoslawien. Das Versprechen von „Brüderlichkeit und Einheit“ („bratstvo i jedinstvo“) wurde zu einer historisch Erfahrung bei der Beschreibung der nationalen Koordinaten und Ausgangspunkt des ’neuen‘ Projektes Jugoslawiens. Der moralische und politische Anspruch an die staatliche Macht spiegelte sich darin wieder. Personell schlug sich dies in der Möglichkeit des ökonomischen, politischen und sozialen Aufstiegs ehemaliger Partisanen wieder. Umgekehrt bedeutete dies auch, der Herabsetzung bis Auslöschung der ehemaligen Feinde und Gegner. Ideologisch erlangte der Partisan, die Rolle des vermenschlichten Staatsideals. Eine Rolle, die zur Legitimation des Herrschaftsanspruchs des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens (BdKJ) diente. Das Bild des Partisans ist aufgeladen mit positiven Bezügen und Wünschen. Es lässt Platz für Phantasie und Utopie, verbunden mit dem Ideal von Praxis und Widerständigkeit. Es bedient das Motiv der Jugend und wandelt die realen Gefahren und Schrecken des Krieges in Abenteuer und Heldenmut. Dabei war der Idealtypus des jugoslawischen Partisans keiner, der im nationalistischen oder ethnischen Chauvinismus geteilt war, vielmehr im Denken und Handeln Sozialist und stellt somit das Abbild des idealisierten Gesamt-Jugoslawen als Staatsbürger dar. Ein hybrider Charakter, vorangetrieben durch die Aktualität der Ereignisse, verzaubert im „Brüderlichkeit und Einheit“ („bratstvo i jedinstvo“) des sozialistischen Staatsversprechens. Diese fand sich nicht nur in der politischen Rhetorik wieder, sondern wurde durch kulturelle Erzeugnisse und einen darauf aufbauenden Alltag bis zum Tode Titos und den einsetzenden gewaltsamen Verfall Jugoslawiens tradiert. Nach den Kriegen der 90ziger Jahre, in dem auch der »Mythos Partizan« als Legitimation der kriegerischen Gewalt herangezogen wurde, fand im Prozess der sich neu gründen Staaten, eine Neuausrichtung der kollektiven Erinnerung statt. Ein Verständnis der Gesellschaften der Nachfolgestaaten ist somit nicht ohne die Vergangenheit, als Matrix einer gemeinsam geteilten Vergangenheit zu erfassen. Daran anschließend wollen wir uns der Frage zuwenden, welches Wissen wir aus der Problematik der (post-)jugoslawischen Erinnerungskultur und kollektiven Gedächtnis für Deutschland anwenden können. Was sind Schnittmengen, die die sich nicht an nationalen oder ethnischen Grenzen fest machen lassen? Wo trägt die Konstruktion von kollektiven Erinnerungen zur Ausgrenzung von Anderen bei?[/tab]

[tab title=“Umsetzung“]
Es soll ein interdisziplinärer Prozess der Wissensaneignung eingeschlagen werden, um eine kritische Position zu erarbeiten. Der »Mythos Partizan« dient dabei als Ausgangspunkt, um ein Verständnis für die Thematik der Erinnerungskultur und des kollektiven Gedächtnisses zu entwickeln. Dabei wollen wir nach Verknüpfungen suchen und nach der Möglichkeit des Transfers des erarbeiten Wissens in aktuelle Auseinandersetzungen der Erinnerungskultur. Diskussionen und angeeignetes Wissen sollen veröffentlicht werden, beispielsweise während des Projektes auf der Internetseite und über das BuKo-Info – und wenn möglich in einer abschließenden Publikation. Konkret heißt das:

  • Inhaltliche Vorbereitungsseminare zur theoretischen Auseinandersetzung mit der Geschichte (Post-)Jugoslawiens und der Erarbeitung eines gemeinsamen Verständnisses von Erinnerungen/ Erinnerungskultur und kollektivem Gedächtnis.
  • Exkursion zur historischen und kulturellen Auseinandersetzung in der Region des ehemaligen Jugoslawiens (Zagreb, Ljubljana, Jasenovac, Belgrad, Zrenjanin, Sarajevo, Jablanica, Mostar). Dabei soll es Zeitzeugengespräche geben, sowie Besuche von Gedenkstätten und Diskussionen mit WissenschaftlerInnen und ProtagonistInnen zu der Frage von aktuellen erinnerungspolitischen Diskursen in den verschiedenen Gesellschaften.
  • Reflexion und Auswertung des Erlebten. Wenn möglich soll es dazu eine geeignete Publikation wie beispielsweise audiovisuelle Aufnahmen von ZeitzeugInneninterviews, eine Broschüre oder Buchpublikation geben.

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[tab title=“Ziel“]Ziel des Projektes ist ein kritisches Verständnis über die Erinnerungskultur und dem kollektiven Gedächtnis, zum einen der post-jugoslawischen Gesellschaften anhand der Partisanenbewegung zu erarbeiten, und zum Anderen die Frage zu stellen, inwiefern das Wissen darüber für erinnerungspolitische Auseinandersetzungen in Deutschland verwendbar und übertragbar ist.
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Veranstaltungen

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  • Vorbereitungsseminare
  • Exkursion:
    08/2011 – 09/2011

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Weiterführendes

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Kontakt

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  • Projektverantwortliche:
    Mara P. & Roland Z.

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